Es ist wie immer: Schaffe ich es endlich wieder, einen Blogeintrag zu schreiben, dann folgt auch relativ bald der nächste. Dass ich es noch schaffe, bevor das Teleskop, von dem ich im letzten Beitrag berichtet habe, bei mir angekommen ist, hätte ich nicht erwartet. Aber am Himmel passiert gerade so viel (das man auch ohne Teleskop sehen kann!), dass das einen eigenen Beitrag wert ist.

Komet C/2020 F3 (Neowise) wird mit bloßem Auge sichtbar

Dieses Jahr gab es schon einige Kometen-Kandidaten, von denen man hoffte, dass sie der lange erwartete, mit bloßem Auge sichtbare Komet werden. Doch bisher waren alle heißen Kandidaten Rohrkrepierer - das passiert, Kometen sind unberechenbar. Nun scheint sich jedoch der Komet C/2020 F3 (Neowise) zu einem mit bloßen Augen sichtbaren Kometen zu entwickeln. Sein Perihel (den sonnennächsten Punkt der Umlaufbahn) hat der Komet Neowise bereits am 3. Juli erreicht. Demnächst erreicht er seinen erdnächsten Punkt, bevor er sich aus "unseren Gefilden" wieder verabschiedet. Doch vorher könnte er noch für jeden, der einen aufmerksamen Blick an den Himmel richtet, zu sehen sein.

Derzeit kann man Komet Neowise bereits am Morgenhimmel sehen. Genauer: Kurz vor Sonnenaufgang ist er im Nordosten zu sehen. Orientieren kann man sich dabei am auffällig hellen Planeten Venus. Der Komet steht etwas weiter östlich und etwas tiefer am Himmel. Und er leuchtet natürlich nicht so hell wie die Venus. Momentan kann man auf Twitter und Facebook zahlreiche tolle Kometenbilder bewundern. Bis Mitte Juli soll Komet Neowise an den Abendhimmel wandern und ist dann dort im Nordwesten zu sehen. Orientieren kann man sich dann am hellen Stern Capella: der Komet Neowise steht etwas weiter westlich und etwas tiefer als der Stern. Eine andere Möglichkeit, den Kometen dann zu finden, ist das bekannte Sternbild "Großer Wagen": Verlängert man die vorderen beiden Sterne in Richtung Horizont, stößt man direkt auf den Kometen, der dann mutmaßlich schon nicht mehr ganz so hell strahlt, aber am dunklen Himmel trotzdem hoffentlich besser zu sehen sein wird.

Leuchtende Nachtwolken (noctilucent clouds, NLCs)

Wer sich auf Facebook und Twitter in den richtigen "Ecken" umschaut, kommt um sie derzeit nicht herum: Leuchtende Nachtwolken. Dabei handelt es sich um Eiskristalle in großer Höhe (etwa 81 bis 85 Kilometer), die nach Sonnenuntergang von der Sonne angestrahlt werden, das Licht reflektieren und atemberaubend schön leuchten - während der Himmel schon dunkel ist.

Planeten! Jupiter, Saturn und Venus - und der ganze Rest

Auch Planeten gibt es derzeit am Himmel zu sehen - und später im Monat wird es noch richtig interessant: Jupiter und Saturn sind derzeit am Abendhimmel zu sehen und bald erreichen beide kurz nacheinander ihre Oppositionsstellung, sie sind der Erde dann verhältnismäßig nah. Jupiter erreicht seine Opposition am 14. Juli 2020, Saturn eine Woche später, am 21. Juli 2020. Auch Mars, Uranus und Neptun kann man im Juli am Nachthimmel sehen. Die Venus dagegen taucht erst gegen Morgen auf: Sie ist derzeit als Morgenstern im Südosten zu sehen - und strahlt heller, als jeder andere Planet am Himmel. Auch der noch fehlende Planet Merkur ist ab etwa Ende Juli zu sehen.

Das Tolle an der Astronomie und Himmelsbeobachtung ist, dass es eigentlich immer etwas zu sehen gibt. Das Nervige ist allerdings, dass man immer vom Wetter abhängig ist. Das merkt man gerade beim aktuellen Wetter wieder: Ich persönlich überlege es mir zwei Mal, ob ich meinen Wecker auf die Zeit vor Sonnenaufgang stelle, wenn ich mit einem wolkenverhangenen Himmel rechnen muss. Zumal ich schätze, dass mein Blick in Richtung Nordosten nicht frei genug ist, um den tiefstehenden Kometen zu sehen.

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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