Was würde wohl passieren, wenn ein unmenschliches Regime die digitalen Möglichkeiten einer NSA in die Finger bekommen würde? Nichts Gutes, so viel steht fest, wenn man kurz darüber nachdenkt. Andreas Eschbach hat sich darüber ausführlich Gedanken gemacht und für sein neuestes Werk "NSA - Nationales Sicherheits-Amt" der Hitler-Regierung allerhand digitale Waffen zur Verfügung gestellt. Heraus kommt ein Buch, das über weite Strecken sehr realistisch klingt, obwohl man weiß, dass in den 1940er Jahren Computer sicherlich noch keine Rolle gespielt haben.

In "NSA" spioniert die NS-Regierung ihre Bevölkerung systematisch aus: Alles, was digital stattfindet, wird protokolliert. Einträge in ein Forum werden in einem "Datensilo" gespeichert, genau wie Standortdaten der portablen Telefone oder elektronische Briefe. Das alles wissen die wenigsten Menschen und auch im NSA, dem Nationalen Sicherheits-Amt findet man erst nach und nach heraus, was man mit den vorhandenen Daten alles anstellen kann. Ein einfaches, aber sehr anschauliches Beispiel: Da das Bargeld abgeschafft wurde, kann jeglicher Zahlungsverkehr und jeder noch so kleine Einkauf nachverfolgt werden. So kann man herausfinden, wer welche und wie viele Lebensmittel kauft. Vergleicht man die Einkäufe mit dem durchschnittlichen Kalorienverbrauch einer Person, kann man natürlich herausfinden, wo jemand zu viel oder zu wenig isst (oder viel wegwirft...) - man könnte jedoch auch herausbekommen, wo vielleicht mehr Personen versorgt werden, als offiziell gemeldet sind (Stichwort: versteckte Juden)...

Ein drastisches aber allzu realistisches Beispiel, wofür die scheinbar harmlosesten Daten verwendet werden können. Bei weiteren Beispielen, die im Buch stecken, geht es um Themen wie digitale Stromzähler oder weitere in Kombination verräterische Einkäufe (Stichwort: ausziehbare Dachbodenleiter). Es geht um neuronale Netze und Propaganda und Beeinflussung in (ausländischen) Foren - kurz gesagt: es werden jede Menge Themen angeschnitten, Eschbach erklärt auf eine spannende Art und Weise, was man mit Daten alles anstellen kann, wenn man sie erst einmal hat.

"NSA" von Andreas Eschbach kann ich jedem empfehlen, der gerne gute Bücher liest. Auch wer sich nicht für die Themen Datenschutz, Internet oder die NS-Zeit interessiert, wird sich bei diesem Buch nicht nur nicht langweilen, sondern am Ende sogar noch jede Menge Wissen mitnehmen (wie im Übrigen auch bei vielen anderen Eschbach-Büchern. Hier kann ich z.B. "Ein König für Deutschland" oder "Eine Billion Dollar" empfehlen). Und am Ende steht beim ein oder anderen Leser vielleicht sogar eine neue Erkenntnis: "Ich habe eben doch etwas zu verbergen."

Andreas Eschbach: "NSA – Nationales Sicherheits-Amt", 800 Seiten
ISBN: 978-3-7857-2625-9
Erschienen am: 28. September 2018

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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