In letzter Zeit machen sich (gefühlt) mehr Menschen als sonst öffentlich Gedanken zu Twitter. Die einen begründen, warum Twitter für sie gestorben ist, andere erklären, warum sie Twitter toll finden oder dass sie gar nicht verstehen können, wieso sie Twitter selbst einmal verteufelt haben.

Dass ich ein großer Fan von Twitter bin, dürfte jedem klar sein, der hier gelegentlich mitliest. Nachdem ich im Mai schon unglaubliche sechs Jahre auf Twitter bin (hier kann man mir folgen), wird es langsam Zeit für eine Liebeserklärung.

 

Wofür ich Twitter liebe

Ich liebe Twitter für die Schnelligkeit und den Humor, für Memes, die aus dem Nichts entstehen und teilweise über Monate erhalten bleiben. Dafür, dass ich mich mit wildfremden Menschen über die unterschiedlichsten Dinge austauschen kann - ernsthaft und mit einem Augenzwinkern. Dafür, dass ich alles, was ich möchte direkt an eine Stelle "geliefert" bekomme - und bisher kein einziges Mal ein wichtiges Thema verpasst habe (ganz im Gegenteil: in der Regel weiß ich es etwas früher als Nicht-Twitterer). Und für das Chaos, das Durcheinanderwuseln, das ich mit Listen und Hashtags beherrschbar machen kann - wenn ich denn möchte.

 



 

Twitter im Journalismus

Und dann wäre da natürlich noch der Einfluss von Twitter auf den Journalismus. Durch Twitter erfährt man vieles früher und ist gefühlt näher dran am Thema. Christian Jakubetz hat das in seinem Blog treffend formuliert:

Wenn heute Twitter darüber spricht, dann gibt es eine gute Chance, dass dieses Thema morgen auch in den restlichen digitalen und analogen Sphären eines sein wird. Twitter also als eine Art Frühwarnsystem; ein Wert, den man gerade für Journalisten gar nicht hoch genug einschätzen kann.

 

Abgesehen davon, war es noch nie so einfach wie heute, an Informationen auf anderen Kontinenten zu kommen - dem Internet sei Dank. Und Dank Twitter melden sich Augenzeugen quasi von alleine - man muss sie nur finden (ja, es gibt auch andere Aspekte, wie Twitter den Journalismus beeinflusst - aber hierfür gibt es ein ganz aktuelles Beispiel, auf das ich kurz eingehen möchte).

 

Augenzeugen über Twitter finden und kontaktieren

Eins der Bilder, das Christopher Michel über Twitter zur Verfügung stellte. (© @chrismichel)

Eins der Bilder, das Christopher Michel über Twitter zur Verfügung stellte. (© @chrismichel)

Das aktuelle Beispiel: Der amerikanische Fotograf Christopher Michel befindet sich in einem Heißluftballon über Luxor, als der Ballon hinter ihm Feuer fängt und abstürzt. Nach einem ersten Tweet, in dem er von einer Explosion und Rauch berichtet, beginnt er schnell, Bilder zu twittern. Ab diesem Moment kann man mit anschauen, wie er quasi im Minutentakt Anfragen von Journalisten beantwortet: Ob er vor Ort sei, was er gesehen habe, ob man seine Bilder verwenden dürfe, ob man mit ihm als Augenzeuge sprechen könne. Wie wäre man früher an einen Augenzeugen gekommen? Sicher, irgendwie hätte man jemanden gefunden, aber es hätte sicher länger gedauert. Die Bilder hat er übrigens allen anfragenden Medien zur kostenlosen Verwendung angeboten - und zwar zu einem Zeitpunkt, als man über die Nachrichtenagenturen nur Archivmaterial von Heißluftballons bekam.
 


 

Weiterführende Links zu Twitter

Wibke Ladwig erklärt, wie man auf Twitter interessante Follower für den Einstieg findet. Mark Shaw hat sich ein "20 Minuten Twitter-Workout" ausgedacht, mit dem man Twitter effektiv und produktiv nutzen kann. Und Matt McGee hat herausgefunden, dass Twitter in den Super-Bowl-Werbepausen am häufigsten erwähnt wurde - was er als Zeichen dafür deutet, dass Twitter immer wichtiger wird. Ein Link, den ich beim Thema Twitter immer gerne auspacke, führt ins Blog von Martin Giesler, der dort erklärt, wie man Twitter-Listen als Journalist nutzen kann und gleich jede Menge Listen mitliefert.

 

Weitere Blogeinträge zu Twitter - und ein Video

Übrigens habe ich hier und hier schon einmal erklärt, warum Twitter toll ist. Außerdem habe ich die Tools twtrland und Twitbin getestet und mich damit beschäftigt, wie man Informationen auf Twitter verifizieren und Anfängerfehler vermeiden kann.

Bild oben: Johan Larsson, Lizenz: CC BY 2.0

 

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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