Domian und die Facebook-Zensur – ein Kommentar

Wenn das, was Moderator Jürgen Domian auf seiner Facebook-Seite beklagt stimmt (*), wurde er bzw. wurden Beiträge, die er zum neuen Papst und zur Homo-Ehe veröffentlicht hat, von Facebook zensiert. Das ist bedenklich, denn Facebook ist in den Augen von immer mehr unbedarften Internetnutzern "das Internet" (gemeinsam mit Google natürlich). Daher auch der Aufschrei, die vielen Kommentare und Shares seines Facebook-Posts. Im Hinterkopf haben viele Nutzer, die den Beschwerde-Beitrag gelesen und geteilt haben sicher den Gedanken "in meinem Internet will ich tun und posten, was ich will - und wehe, es pfuscht mir jemand hinein".

Aber so einfach ist das bei einem Unternehmen nicht, das letztendlich Geld mit seinem Produkt verdienen will. Hier bestimmt der Anbieter die Regeln. Und dazu gehört beispielsweise auch die "Melden"-Funktion. Ich gehe davon aus, dass die fehlenden Beiträge so häufig gemeldet wurden, dass sie automatisch gelöscht wurden - auch wenn sie noch so harmlos gewesen sein mögen: da draußen gibt es viele Spinner, in jede Richtung. Und es ist noch dazu verlockend einfach, einen missliebigen Beitrag zu melden.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Nutzer, die die Plattform eines Anbieters nutzen, sollten sich darüber im Klaren sein, was das bedeutet - auch jenseits des Datenschutzes. Letztendlich bestimmt der Anbieter, was gestattet ist und was gelöscht wird. Will man sich davon unabhängig machen, sollte man sich seine eigene Plattform schaffen - beispielsweise ein selbst gehostetes Blog. Auch hier bestimmt der Anbieter - was in diesem Fall der Blogger selbst ist - was erlaubt ist. Und das können durchaus auch kritische Texte zum Papst oder zur Homo-Ehe sein, so lange sie sich innerhalb der Grenzen der Meinungsfreiheit bewegen. Deshalb mein Appell: macht euch von Facebook und den anderen social networks unabhängiger (ich sage bewusst nicht: löscht eure Accounts, denn das halte ich für übertrieben und würde es auch selbst nicht tun), schafft eure eigenen Plattformen!

(*) Warum ich das so formuliert habe? Nicht, weil ich Domian nicht glaube. Jeder, der Facebook-Seiten betreut weiß ein Lied davon zu singen, wie buggy Facebook ist. Daher kann ich mir ohne weiteres vorstellen, dass hier (Edit: Bei den verschwundenen Beiträgen zur Homo-Ehe) nur ein Bug Schuld ist. Genauso gut kann ich mir aber auch vorstellen, dass Facebook tatsächlich gelöscht hat.

[Edit 1: Ich sehe gerade, dass das Social Media Watchblog auch über den Fall geschrieben hat - und am Ende auch die eigene Plattform empfiehlt. Lesetipp! (Nicht nur, weil die Argumentation in eine ähnliche Richtung geht, sondern auch, weil das Blog lesens- und unterstützenswert ist.)]

[Edit 2: Facebook entschuldigt sich bei Jürgen Domian]

[Edit 3: Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht gibt einen Überblick über die rechtliche Sicht der Dinge.]

Bild: indrarado (Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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4 Kommentare

  1. Es gibt doch die Möglichkeit, sich bei Facebook seine kompletten Postings runterzuladen. (Irgendwo bei den Einstellungen und 100x Klicken.) Dann könnte der gute Mann zumindest sehen ob die Daten noch vorhanden sind oder wirklich richtig weg.

    Würde zwar nicht erklären ob das nur ausgeblendet ist, aber grundsätzlich reden wir von einem us-amerikanischen Unternehmen und nicht erst nach iTunes sollte man deren moralisch andere Vorstellungen kennen.

  2. Soweit ich das mitbekommen habe, erhielt Domian von Facebook den Hinweis, daß seine Posts nicht den Nutzungsbedinungen von Facebook entsprechen. Bin kein Facebook-Experte, aber das spricht meiner Meinung nach eher gegen eine Löschung durch ein Bug.

  3. @an_fi Ich meinte mit dem Hinweis auf einen Bug die Beiträge zur Homo-Ehe, zu denen er anscheinend keinen Hinweis bekommen hatte. Ich habe das im Text etwas besser deutlich gemacht.

  4. […] Die Gründe dafür sucht man möglicherweise am besten in den Nutzungsbedingungen der Anbieter. Denn hier steht, was nach deren Regeln erlaubt ist und was nicht. […]

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