"Der Klang der Zeit" von Richard Powers ist ein Buch, das die - auf den ersten Blick - unterschiedlichsten Themengebiete miteinander vereint: Es geht um das Leben als Schwarzer in den USA (von den 30er bis zu den 90er Jahren), um eine mutige Liebe zwischen schwarz und weiß, um das Leben als "Mischlingskind" in den USA und auf der Welt, um die Nazi-Herrschaft in Deutschland, um klassische Musik, Hip-Hop, die Relativitätstheorie und allgemeine (gewagte) Theorien über die Zeit. Selbstverständlich spielt die Geschichte immer eine große Rolle - seien es die Entwicklungen in Deutschland, oder die Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Trotz allem (oder vielleicht auch gerade deshalb) ist das Buch keineswegs langweilig. Man sollte sich allerdings ein bisschen für klassische Musik interessieren, sonst könnten die ausschweifenden musikalischen Beschreibungen leicht zum Weglegen verführen.

Die Handlung des Buches selbst bietet einiges an "Zündstoff": Eine schwarze Sängerin heiratet einen jüdischen Wissenschaftler, der aus Deutschland in die USA geflohen ist. Sie hoffen, die Probleme, die sie selbst und später ihre Kinder bekommen würden, mit der Musik und einer Erziehung "ohne Rassen" zu überwinden. Während die beiden ältesten Söhne wegen ihres großen Talents auf einem Musik-Internat sind, stirbt die Mutter bei einem Hausbrand. Die Brüder klammern sich daraufhin an ihre musikalische Karriere und flüchten zeitweise nach Europa, wo Rasse keine Rolle spielt. Die jüngste Tochter dagegen wird zu einer erbitterten Bürgerrechtskämpferin, heiratet einen aktiven Bürgerrechtler und findet heraus, dass der Hausbrand, bei dem ihre Mutter starb, wahrscheinlich ein Anschlag auf Schwarze war.

Abschließend noch ein Zitat von Amazon.de:

Der Gegensatz zwischen trennendem Rassismus und versöhnender Kunst [...] wirft von Beginn an auch einen bedrohlichen Schatten auf die Beziehung zwischen dem deutsch-jüdischen Emigranten David Strom und der Afroamerikanerin Delia Daley. Auch wenn David und Delia alles tun, um ihre drei Kinder vor dieser Bedrohung zu schützen, erweist sich die destruktive Kraft rassistischer Vorurteile letztlich stärker als die Kraft der Musik, aus unterschiedlichen Stimmen harmonische Kompositionen zu formen. Am Ende zerbricht die Familie und die Musik, die durch die Geschichte weht, wird zum Abgesang auf eine Utopie: die Ãœberwindung des Rassismus durch den Einklang von Schwarz und Weiß.
"Der Klang der Zeit" ist selbst durch den Versuch bestimmt, aus Gegensätzen Harmonie zu erzeugen, wenn auch eine fragile. Der Roman verwebt die Geschichte der Musikerfamilie Strom mit der Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft zwischen den 20er-Jahren und den Rassenunruhen im Los Angeles der 90er, zugleich aber verbindet der Roman auch die Denkwelten der Physik mit den Kunstwelten der Musik.

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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