Arthur Miller ist tot

Da sitze ich heute Nachmittag beim Friseur und denke nichts böses - auf einmal dringt die Stimme eines Radiomoderators an mein Ohr: "Der amerikanische Schriftsteller Arthur Miller ist tot."
Mein allererster Gedanke: "Mir doch egal - das war doch bestimmt wieder einer dieser Schriftsteller, die keiner kennt... Jetzt ist er halt tot."
Kurze Zeit darauf, als ich unter meiner Trockenhaube saß, sickerte der Name tiefer in mein Gehirn: Arthur Miller - hmmm... schon gehört, aber wo??
Dann endlich: Arthur Miller! Der Albtraum meines Englisch-LKs! Schließlich hat er "Death of a Salesman" (oder auf Deutsch: "Tod eines Handelsreisenden") geschrieben, mit dem ich mich monatelang in meinem Leistungskurs herumquälen musste. Ich mochte das Buch einfach nicht, ich hasste es sogar beinahe: Biff und Happy, die zwei Söhne des Handelsreisenden konnte ich nie auseinanderhalten, sein toter Bruder Ben hat mich einfach nur genervt und warum sich die Hauptperson so kurz vorm Happy-End umbringt konnte ich einfach nicht verstehen. Die Betonung liegt dabei auf konnte. Denn als ich das Buch vor der Abiturklausur zum zweiten Mal durchackerte, da hat es bei mir "klick" gemacht. Seitdem mag ich Arthur Miller und auch der "Handelsreisende" ist kein Albtraum mehr. OK, ich gebe es zu: Obwohl ich Miller mag, habe ich nie ein anderes Werk von ihm auch nur in den Händen gehabt - aber trotzdem bleibe ich dabei: der "Salesman" hat was (wenn auch erst beim zweiten Lesen).

SPIEGEL online schreibt in einem Nachruf:
"Mit Arthur Miller ist eine amerikanische Ikone gestorben. Er war der Athlet unter den Intellektuellen, der Macho unter den Linken, Amerikas Gewissen, soweit man zurückdenken kann."

Ein paar Fakten zu Miller: Sein Buch "Death of a Salesman" hat ihn bereits mit 33 Jahren zum Pulitzer-Preisträger gemacht, in seiner ersten Ehe war er mit Marilyn Monroe verheiratet und so ganz nebenbei war er auch noch politisch sehr aktiv. Gestern ist er im Alter von 89 Jahren an Herzversagen gestorben.

Um noch einmal SpOn zu Wort kommen zu lassen:
"Fest steht, dass mit Miller einer der großen kritischen Jahrhundertköpfe der amerikanischen Literatur abgetreten ist. Im Grunde genommen war er der Sieg einer Haltung: Er war ein Linker und er hat Marilyn Monroe gehabt. Er hat bewiesen, dass man keine reaktionären Sprüche klopfen muss, um ein ganzer Kerl zu sein.
In Zeiten, in denen Karrieren dadurch bestritten werden, dass auf linke "Gutmenschen" eingeprügelt wird, war Arthur Miller das siegreiche Monument des guten Menschen. Egoismus und kapitalistische Gaunertugenden zahlen sich nicht aus, sagte Miller. "

Zum Miller-Nachruf in SpOn.

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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2 Kommentare

  1. TITLE:
    Ja ja, Arthur Miller’s Death Of A Salesman (was entgegen hartnäckiger Behauptungen wirklich im Deutschen Tod eines HandELSreisenden heißt) war schon eine Qual – glaub ich. Ich hab’s ja nie fertiggelesen. Nicht für die Klausur und schon gar nicht für’s Abi… Mein Gedanke damals: No risk, no fun! Aber im Endeffekt hab ich’s dann doch noch mal gelesen.
    Die Nachricht von Miller’s Tod hab ich übrigens erst am 11. Februar abends auf der Heimfahrt auf AFN bekommen. Da war ich schon auf er Autobahn und bin zum Glück nicht zu arg zusammengezuckt… Hätte bös‘ ausgehen können.

  2. REPLY:
    TITLE: HandELSreisender
    Ich weiß, dass der „Handelsreisender“ heißt… Hab mich halt ein Mal verschrieben und es bestimmt 3x richtig gehabt! „Handelsreisender“ klingt halt so doof – ich sollte beim salesman bleiben

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