Kategorie: Journalismus (Seite 1 von 2)

If you’re a journalist not using Twitter in 2014, you’ve chosen to be less skilled, less relevant, less visible and less connected.

Steve Buttry, "Why journalists should use Twitter"

Man kann es ja nicht oft genug sagen: Zu wissen, wie man Mails verschlüsselt ist in der heutigen Zeit wichtig. In der Serie "ABZV Videoreporter" ist dazu ein gutes Video erschienen, in dem drei Journalisten zur Sprache kommen.

Ds Video wurde vom Urheber unter Creative Commons Lizenz (BY-NC-ND 3.0 DE) veröffentlicht.

Gesammelte Links der letzten Wochen

Trolls just want to have fun
Was bewegt Online-Trolle? alltagsforschung.de berichtet über eine Studie, die zeigt, warum Trolle trollen. Das Ergebnis? “Netztrolle sind typische Alltagssadisten”, sagt einer der Forscher. Weiterlesen »

The NSA’s Secret Role in the U.S. Assassination Program
Ein Artikel von The Intercept, der meiner Meinung nach in Deutschland viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Er beschreibt, welche Rolle Daten der NSA im Drohnen-Programm spielen. Besonders erschreckend: Dass Zielpersonen tatsächlich über ihr Handy/ihre SIM-Karte geortet werden - was nicht wirklich genau ist, denn beides kann man weitergeben. Weiterlesen »

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Vor einigen Tagen habe ich drüben bei Lousy Pennies ein Interview gelesen, das mich so nachhaltig beeindruckt hat, dass ich direkt danach zum ersten Mal bei Startnext ein Projekt mit Geld unterstützt habe.

Zugegeben, es geht um Journalismus, genauer: Um Wissenschaftsjournalismus und zwar in digitaler Form. Da werde ich hellhörig und wenn jemand eine Geschichte mitbringt wie die zwei Gründer und ihr Projekt so spannend ist wie ihr Wissenschaftsmagazin "Substanz" (und ja, vielleicht auch in gewisser Form wegweisend für den digitalen Journalismus sein könnte) - dann schaue ich mir das gerne näher an.

Weil ich unbedingt sehen möchte, wie das Magazin "Substanz" aussieht und wie es gelingt, guten Journalismus "digital only" zu machen, schreibe ich diese Zeilen. In der Hoffnung, dass ihr euch das Interview mit den Gründern durchlest, ihr Bewerbungsvideo anschaut und dann am Ende vielleicht auch auf den Button "Jetzt unterstützen" klickt.

Bisher sind 14.431 Euro von 30.000 Euro bei startnext finanziert. Ich denke, da geht noch mehr!

Schneller als die Anderen – mit Twitter

Mit Twitter ist man in Echtzeit dabei, wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert

Das hört man immer wieder, wenn es um Twitter und die Frage geht, was man mit dem 140-Zeichen-Dienst überhaupt anfangen kann. Nun bin ich einmal bekennender Twitter-Fan und habe erst gestern wieder erlebt, wie nah man an einem aktuellen Ereignis sein kann und dass Twitter - wenn man den richtigen Personen folgt - wertvolle Informationen liefern kann.

Gestern spätabends kam die Nachricht, dass Nelson Mandela gestorben ist. Jener südafrikanische Nationalheld, dem es ja schon lange nicht gut ging und der auf Twitter schon mehrfach für tot erklärt wurde. Doch dieses Mal war es - zumindest in meiner Wahrnehmung - anders. Ein Blick auf den Abend, an dem Nelson Mandela starb und wie man es früher hätte wissen können als die anderen, ohne vor Ort zu sein.

Früher als die anderen - dank Twitter

Etwa 20 Minuten vor der Meldung, dass Mandela tot sei, retweetete mir Andy Carvin (dessen Twitter-Account ich empfehlen kann!) einen Tweet in die Timeline, der mich aufhorchen ließ:

Milton Nkosi ist BBC-Korrespondent in Südafrika. Zwei Minuten nach seinem ersten Tweet, berichtete er, dass in den nächsten Minuten der südafrikanische Präsident Jacob Zuma eine Fernsehansprache halten würde. Zählte man eins und eins zusammen, konnte man sich schon vorstellen, was eventuell los ist. Nur etwa 15 Minuten später kam dann die Bestätigung, die mich in Form eines Tweets von Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger erreichte:

Erst Minuten später kamen die Eilmeldungen diverser Nachrichtenportale auf meinem Smartphone an.

Und was hat man jetzt davon, 15 Minuten schneller zu sein?

Als Privatmensch hat man davon natürlich nicht viel - man weiß ein paar Minuten früher als andere, was in der Welt los ist (oder demnächst passieren könnte). Beruflich könnte das natürlich anders aussehen: Sitzt man in der Redaktion am Agenturticker, bekommt man nicht mit, was in Südafrika passiert, wenn die Agentur nicht explizit darauf hinweist (aus Erfahrung kann ich sagen: das tut sie in der Regel nicht). Das heißt, dass man von der Eilmeldung in dem Moment überrascht wird, in dem sie alle anderen auch bekommen. Der Wettlauf, wer der schnellste ist, ist eröffnet. Bekommt man aber (natürlich aus einer seriösen Quelle) mit, was in Südafrika los ist, kann man sich schon einmal vorbereiten und muss in dem Moment, in dem die Meldung bestätigt ist, die Fakten nur noch einmal gegenchecken und auf "publizieren" klicken.

Anderes Beispiel: Die Mandela-Meldung kam recht spät - vermutlich zu spät für die meisten Printprodukte. Hätte man frühzeitig mitbekommen, dass sich Menschen vor dem Haus versammeln und eine Ansprache angekündigt ist, hätte man vielleicht noch die Chance gehabt, den Tod Mandelas in die aktuelle Printausgabe zu bekommen.

Bild: CAMON (Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)

Der "Social-Media-Redakteur" wird sich ändern – nicht sterben

Bei BuzzFeed ruft Rob Fishman den Tod des Berufsbildes Social Media Editor aus. Der Grund: Redakteure und Reporter würden heute selbst Social Media machen, mitdenken, wenn eine Geschichte vergeben wird, soziale Medien nutzen, um eine Geschichte zu recherchieren und so weiter. Man brauche keinen Social-Media-Redakteur mehr, weil die Aufgaben sich quasi von alleine im Newsroom verteilen.

So weit, so nachvollziehbar - zumindest für die USA. In Deutschland wird das - bei allem, was ich so mitbekomme - noch eine Weile dauern, bis auch Kollegen, die nicht für Social Media zuständig sind, an die sozialen Medien und die Nutzer dort denken. Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber ich behaupte, die Regel ist, dass Social Media im Regelfall momentan noch am Ende der Produktionskette steht, nach dem Motto "Wir haben hier eine spannende Geschichte online gestellt - wäre das nicht auch was für Facebook?". Das mag wird und muss sich in den nächsten Jahren ändern, da bin ich mir sicher. Und dann ist auch der Zeitpunkt gekommen, an dem Rob Fishman momentan steht und den Tod des Social-Media-Redakteurs ausruft.

Wer kümmert sich um das große Ganze?

Aber wie geht es dann weiter, ohne Social-Media-Redakteur? Wenn jeder für sich Social Media macht, wer kümmert sich um das "große Ganze"? Die Weiterentwicklungen? Die Strategie? Bei wem laufen die Fäden zusammen? Genau diese Fragen beantwortet Adam Schweigert in seiner Replik auf den BuzzFeed-Artikel - und zwar ähnlich, wie ich sie auch beantwortet hätte: Der Beruf des Social-Media-Redakteurs ist nicht tot - er geht nur durch eine schwierige Phase. Und muss sich ändern, an die neuen Bedingungen anpassen.

Ich glaube: In Zukunft wird der Social Media Editor mehr zum Social Media Manager und kümmert sich beispielsweise um die übergreifende Social-Media-Strategie, um die Weiterentwicklung der eigenen Accounts in den sozialen Netzwerken. Er wird mehr Zeit haben, Trends zu erkennen und auszuprobieren, ob sie für das eigene Medienhaus interessant sind, um sie dann in die bestehende Strategie einzuarbeiten.

Und dann wäre da natürlich noch ein nicht zu unterschätzender Punkt: alle Mitarbeiter, die sich selbst beruflich in Social Media bewegen, müssen organisiert werden, sie brauchen eine Anlaufstelle und müssen auch über eine neue Strategie oder neue Trends und Tools auf den neuesten Stand gebracht werden. Das sind die Aufgaben, die ein Social-Media-Redakteur vermehrt haben wird, wenn es einmal soweit ist, dass seine Kollegen in der Redaktion selbst professionell Social Media nutzen.

Bild: Jason A. Howie (Lizenz: CC BY 2.0)

Die Nutzung von Twitter bei "Breaking News"

In den letzten Tagen gab es in den USA einige schlimme Ereignisse, an denen man sehr gut zeigen kann, warum man sich als Journalist vor Twitter nicht scheuen sollte - und warum es wichtig ist, sich damit auszukennen, wenn man es nutzen möchte. Während des Anschlags auf den Boston Marathon, der Explosion in West, Texas und gerade während der Schießerei am MIT beobachte ich intensiv, was sich auf Twitter tut.

Twitter ist toll, das habe ich bereits mehrfach hier im Blog geschrieben. Twitter ist schnell, Twitter ist live, Twitter ist überall. Während man journalistische Live-Berichterstattung auf Twitter in Deutschland bisher leider nur sehr selten sieht, habe ich das Gefühl, dass sie in den USA schon zum Alltag von Reportern gehört.

Twitter-Listen mit relevanten Twitter-Accounts

Wenn man bei Ereignissen in den USA den richtigen Twitterern folgt, kann man sich darauf verlassen, dass man innerhalb kurzer Zeit auf Twitter-Listen hingewiesen wird, auf denen für das Ereignis relevante Twitterer versammelt sind. Die Liste, die ich im Zusammenhang mit dem #MITshooting beobachte, hat momentan 29 Mitglieder (Journalisten und andere, die vom Ort des Geschehens twittern) und weit über tausend Abonnenten.

Follow-Tipps: zwei US-Journalisten

Zwei Follow-Tipp für die USA sind auf jeden Fall Anthony De Rosa (@AntDeRosa) von Reuters und Craig Kanalley (@ckanal) von der Huffington Post, die auf Twitter eine vorbildliche Arbeit abliefern. (Wer mehr Tipps hat: bitte in die Kommentare schreiben!)

Auf Twitter erfährt man von den großen und kleinen Geschichten - neben den Updates, die die Journalisten liefern, konnte man beispielsweise auch dieses Bild entdecken, das Andrew Kitzenberg getwittert hat:

Twitter-Suche nutzen und Informationen verifizieren

Später wurde er von NBC als Augenzeuge interviewt. Man kann also über Twitter nicht nur Informationen finden, sondern auch Augenzeugen. Wie das geht? Ich nutze dafür die erweiterte Suche mit Suchoperatoren auf Twitter. Darüber lässt sich beispielsweise herausfinden, ob der User, der das Bild getwittert hat, sich beim Twittern tatsächlich in der Nähe von Boston aufgehalten hat. Und so lassen sich auch Twitternutzer finden, die in der Nähe des Ortes aktiv sind. Ein großartiges Beispiel, wie man Informationen aus Social Media verifiziert, liefert @storyful. Die Agentur erklärt in einem Blogeintrag, wie sie ein YouTube-Video, das angeblich beim Boston Marathon aufgenommen wurde, verifiziert haben.

Nicht nur Wahrheiten in Social Media

Aber es gibt natürlich - wie bei allem - auch die andere Seite. Die negative. Natürlich sind auf Twitter in "Breaking News"-Situationen auch jede Menge Gerüchte, Halbwahrheiten und viele falsche Behauptungen unterwegs. Hier muss man natürlich aufpassen: Nicht alles für bare Münze nehmen, sich den Absender des Tweets anschauen. Nicht sofort auf eine angebliche Sensation anspringen, sondern hinterfragen, recherchieren (also journalistisch arbeiten) und - in einem Fall wie den drei aktuellen Fällen aus den USA - sich auch auf die vor Ort twitternden Kollegen und ihre Einschätzungen verlassen.

Die ekelhafte Seite

Die ekelhafte Seite des ganzen konnte man beim Boston Marathon besonders deutlich sehen. Darauf möchte ich jetzt nicht näher eingehen, Sebastian Baumer hat dazu einen sehr treffenden Rant verfasst, den ich jedem ans Herz legen möchte.

Vorsicht, Fälschung! Gedanken zu "Lemme tweet that for you"

In letzter Zeit wird in den Medien (gefühlt) vermehrt über Twitter berichtet. Dabei sind auch öfters Meldungen nach dem Muster "Promi xy hat getwittert"... "sein Tweet wurde x Mal retweetet". In Zukunft sollte man als Journalist bei solchen Meldungen skeptischer sein.

Der Dienst "Lemme tweet that for you" ermöglicht es Usern nämlich, mit nur wenigen Klicks Tweets zu fälschen. Gibt man den Twitternamen ein, zieht sich der Dienst automatisch das dazugehörige Twitter-Profilbild, eine gewisse Anzahl an Retweets und Favs ist schon voreingestellt. Muss man also nur noch den Text des Tweets eingeben - und fertig ist der gefakte Tweet.

Original und Fälschung

Eine Gegenüberstellung: Oben das leere Formular der Website, darunter ein gefakter Tweet und ganz unten der Tweet, den ich dann noch einmal tatsächlich über meinen Twitter-Account abgesetzt habe:

lemmetweetthatforyou

justatest

originaltweet

Man sieht, der echte und der gefälschte Tweet sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Und das sollte Journalisten zum Nachdenken bringen: Wenn es ohne jede Kenntnis von Software (ich denke da z.B. an Photoshop) möglich ist, Tweets ganz einfach und in Sekundenschnelle zu fälschen, sollte man genauer schauen, worüber man berichtet. (Ja, ich weiß, man konnte auch vor "Lemme tweet that for you" Tweets fälschen - dazu musste man aber z.B. Photoshop in einem gewissen Maß beherrschen, was die Hürde dann doch etwas höher hebt).

Einen Tweet kann man leicht verifizieren, indem man auf dem Twitter-Profil desjenigen, der den Tweet angeblich abgeschickt hat, nach dem Tweet sucht. Aber was tun, wenn der Tweet angeblich "um die Welt" ging, dann aber angeblich gelöscht wurde, weil er beispielsweise - angeblich - für Aufruhr gesorgt hat? Dann findet man ihn natürlich nicht mehr im Profil.

Zwei Möglichkeiten

An dieser Stelle sehe ich zwei Möglichkeiten: Den Account ansprechen und fragen, ob der Tweet tatsächlich geschrieben und später gelöscht wurde. Oder auf einem anderen Weg Kontakt aufnehmen und nachhakten. Wenn es keine Antwort gibt, bzw. man auch keine andere Möglichkeit gefunden hat, den Tweet zu verifizieren: Besser die Finger vom Thema lassen. Ich vermute, dass es in nächster Zeit einige dieser gefälschten Tweets geben wird und ich kann mir auch gut vorstellen, wer mögliche Opfer sein könnten. Ich werde jedenfalls gleich morgen die Kollegen in der Redaktion sensibilisieren - man muss nicht darauf hereinfallen, wenn man vorher weiß, dass ein solches Tool kursiert.

Was sagen andere zum Thema?

Martin Giesler hat im Social Media Watchblog auch schon über den Dienst geschrieben - er freut sich dort auf die ersten Fakes, "die die Runde machen und für einen medialen Aufschrei sorgen". Poynter denkt darüber nach, was die Website für Journalisten bedeutet und kommt zu dem Schluss: Proceed with caution. Dem schließe ich mich an.

Linktipps rund um digitalen Journalismus

Vier Linktipps möchte ich loswerden - bei allen vieren handelt es sich um "digitalen" Journalismus im weitesten Sinne. Genauer gesagt geht es um den Übergang in die neue, digitale Welt des Journalismus, Nachrichten auf Twitter und im Social Web und um ein praktisches Beispiel für Daten-Journalismus. Weiterlesen

Was ich beruflich mache? So einiges!

Es ist lange her, dass ich mich an einer Blogparade beteiligt habe - jetzt wird es wieder einmal Zeit. "Und was machen Sie so beruflich?", fragt Wibke Ladwig in ihrem Blog. Die Frage möchte ich beantworten, schon alleine weil ich das selbst immer wieder erklären muss und oft auf fragende Gesichter treffe.

In meiner Mailsignatur und in meinem Arbeitsvertrag steht "Redakteurin" und das ist der Teil, den ich beispielsweise meinen Großeltern, die mit dem Internet nichts anfangen können, noch relativ leicht erklären kann: ich schreibe Artikel für die Website einer Zeitung zweier Zeitungen. Also zumindest manchmal (und ganz selten werden sie sogar in der Zeitung gedruckt).

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