Es ist lange her, dass ich mich an einer Blogparade beteiligt habe - jetzt wird es wieder einmal Zeit. "Und was machen Sie so beruflich?", fragt Wibke Ladwig in ihrem Blog. Die Frage möchte ich beantworten, schon alleine weil ich das selbst immer wieder erklären muss und oft auf fragende Gesichter treffe.

In meiner Mailsignatur und in meinem Arbeitsvertrag steht "Redakteurin" und das ist der Teil, den ich beispielsweise meinen Großeltern, die mit dem Internet nichts anfangen können, noch relativ leicht erklären kann: ich schreibe Artikel für die Website einer Zeitung zweier Zeitungen. Also zumindest manchmal (und ganz selten werden sie sogar in der Zeitung gedruckt).

Nachrichten, Nachrichten, Nachrichten!

Dazu gehört natürlich auch (und zwar zu einem wesentlich größeren Teil als das Schreiben) das Bewerten von Nachrichten, die über die Agenturen und von unseren Online- und Print-Autoren und Korrespondenten in die Redaktion einlaufen: ist das Thema wichtig? Unwichtig? Reicht eine Agenturmeldung oder braucht man dazu ein Meinungsstück? Mit welchen (multimedialen) Inhalten kann ich das Thema anreichern? Muss ich das jetzt veröffentlichen oder reicht später? Und welche Themen sollten an welcher Stelle der Startseite stehen? Ist alles Wichtige abgedeckt oder fehlt etwas? Nach welchen Keywords suchen die User, die über Google auf unsere Seite kommen?

Dazu gehört aber auch: welche Inhalte aus Web und morgiger Printausgabe gehören in die Tablet-Ausgabe? Welche Multimedia-Inhalte kann man ergänzen und wo bekommt man sie her? Gibt es Synergien mit Online, die ich nutzen kann?

Im Print würde man einen Teil davon wohl "Blattmachen" nennen. Und ja, manchmal schubse ich auch Content von A nach B (von Print nach Online).

Fragen, Antworten - und zwar schnell!

Ihr merkt schon, ein Großteil meiner Arbeit dreht sich um Fragen, die Antworten darauf und das häufig in recht hoher Taktung. Man nehme nur einmal einen Fall wie den Tag, an dem der Papst seinen Rücktritt ankündigte oder der Meteorit, der in Russland für Aufsehen sorgte. Völlig ungeplant muss man plötzlich ein riesiges Ereignis von hohem Interesse für die Menschen da draußen stemmen - deshalb ist es wichtig, dass jedes Rädchen ins andere greift, jeder genau weiß, was die Kollegen tun und jeder alles kann, was in einer Redaktion an Arbeit anfällt (deshalb ist auch der erste Teil meiner Beschreibung so lang: das ist im Grunde vieles, was in der Redaktion an täglichen Arbeiten anfällt, verteilt auf viele verschiedene Dienste mit verschiedenen Verantwortungsbereichen und Arbeitszeiten.)

Und dann gibts da noch Social Media...

Und das ist nur ein kleiner Teil meiner Arbeit, denn da wäre noch der Bereich Social Media... Was ich dort mache, würde der Fachkundige "Social Media Management" nennen. Wer keine Ahnung hat staunt, dass ich mich quasi den ganzen Tag beruflich auf Facebook, Google+ und Twitter herumtreiben darf.

Dazu gehört aber - die Profis wissen das - mehr als das, was man privat in sozialen Netzwerken macht: ich poste nicht nur Artikel in besagten Netzwerken, sondern analysiere auch die Reaktionen: was lief gut, was schlecht, was sollte man dringend öfter machen? Gab es irgendwo Feedback, das ich in die Redaktion weitertragen muss oder wird etwas gefragt, das ich bei Kollegen in Erfahrung bringen muss? Kein Problem.

Ich habe außerdem immer ein Ohr in den sozialen Netzwerken (wer hat wohl die ersten Berichte über den russischen Meteoriten aufgeschnappt, bevor es die deutschen Nachrichtenagenturen aufgegriffen hatten? Ich. Wobei ich zugeben muss, dass meine Astronomie- und USA-lastige Twitter-Timeline für ein solches Thema auch perfekt war). In den sozialen Netzwerken habe ich grob gesagt zwei Aufgaben: Änderungen, die für uns in irgend einer Form relevant werden könnten, beobachten (z.B. der Facebook Edge Rank oder ganz aktuell die Graph Search) und herausfinden, was das für uns bedeutet und wie wir reagieren müssen. Und im Blick behalten, welche Themen gerade diskutiert werden und ob es sich lohnt, einzusteigen.

Wenn sich die Gelegenheit bietet, gibt es auch Live-Tweets, zum Beispiel zu den Deutschland-Spielen der Fußball-EM, dem Super Bowl oder vom Besuch des Frankfurter Flughafens während eines Streiks. Und zu guter letzt bin ich auch noch Ansprechpartnerin der Redaktion in Sachen Social Media. Das geht von Kleinigkeiten wie der Frage nach dem richtigen Hashtag bis hin zu größeren Aktionen (Lohnt es sich, eine eigene Facebook-Seite anzulegen? Kann man das Gewinnspiel auch auf Facebook stattfinden lassen? etc.).

Und wie erkläre ich das alles? Schwierig...

Diesen zweiten Teil meiner Arbeit, also den Social-Media-Teil, kann ich meist nur schwer erklären - gerade wenn jemand gar keinen Bezug zum Internet hat, ist das beinahe unmöglich. Wenn jemand Facebook nutzt, erkläre ich das immer so: wenn du auf der Facebook-Seite der FR auf "Gefällt mir" klickst, siehst du das, was ich auf Facebook mache: Inhalte posten, Fragen beantworten. (Den Rest lasse ich dabei unter den Tisch fallen, das würde zu weit führen. Und mit Twitter und Google+ fange ich dann erst gar nicht an...)

Links auf viele weitere Antworten auf die Frage "Und was machen Sie so beruflich?" hat Wibke Ladwig unter ihrem Blogeintrag gesammelt. Ich finde: das Lesen lohnt sich!

Bild: NS Newsflash, Lizenz: CC BY 2.0)

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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