Nicht Medienkrise – menschliche Schicksale!

Gerade habe ich noch in diesem Blog gelesen, was eine Journalistin der Westfälischen Rundschau zur Einstellung der Zeitung schreibt, wie sie versucht, durch therapeutisches Schreiben zu verarbeiten, was geschehen ist. Wie sie ihren Arbeitsplatz räumt, alles in eine Kiste packt oder morgens den Wecker stellt, um eine Routine aufrecht zu erhalten. Wie sie mit den Gedanken kämpft, was die Zukunft bringt und versucht, ihrem 12-jährigen Sohn trotz allem einen schönen Geburtstag auszurichten. Leider wurde das Blog gerade auf "privat" umgestellt und ist nicht mehr erreichbar.

Das finde ich sehr schade, denn es könnte all denen, die nur von "Medienwandel" und "Zeitungskrise" sprechen zeigen, dass das Aus der FTD und WR und die Insolvenzanmeldung der FR mehr ist als "Medienwandel" und "Zeitungskrise".

Hier gehen nicht nur Traditionshäuser in die Knie - hier verlieren Menschen ihre Existenz. Und zwar mehr Menschen als in den Artikeln immer wieder beiläufig genannt werden, denn erfahrungsgemäß beschäftigen Zeitungen viele freie Mitarbeiter, die nicht darauf hoffen können, eine Abfindung, Insolvenzgeld oder später Arbeitslosengeld zu bekommen. Und selbst wenn man sich als Festangestellter zumindest auf das Arbeitslosengeld verlassen kann: der Arbeitsmarkt für Journalisten sieht nicht gerade rosig aus.

Jeder Artikel, in dem es nur um "Medienwandel" und "Zeitungskrise" geht, aber nicht um die Schicksale der Mitarbeiter, ist ein Hohn für die Betroffenen, ein Schlag ins Gesicht. Und glaubt mir: den können sie, den können wir gerade nicht gebrauchen. Es ist schon schlimm genug.

Zum Thema empfehle ich auch diesen Artikel auf ruhrbarone.de und diesen Text im JakBlog. Und Kollegin Monika hat das Blog auch entdeckt.

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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3 Kommentare zu “Nicht Medienkrise – menschliche Schicksale!

  1. Martin Brotzler

    Hallo liebe Tanja Morschhäuser,

    Dein Artikel ist insofern gut, da er von der “Sachlichkeit” zur “Emotionalität” übergeht, allerdings ist leider das Grundproblem nicht zum Ausdruck gekommen, das im Ansatz in einem aktuellen Posting hier von mir beschrieben ist: http://www.facebook.com/brotzl.....2422970777

    Es geht in vorderster Linie nicht um Medienwandel oder Zeitungskrise – und, so leid es auch ist – es geht immer um menschliche Schicksale. Dieses mal geht es aber um eine globale Geldverschiebung zu Lasten der Medien in Deutschland – und kaum einer traut sich darüber überhaupt öffentlich zu schreiben – um, solange man noch existiert – nicht den Goliath zu wecken.

    Die Medien sind im Internet in den Löwenkäfig gefallen, ducken sich, verstecken sich, rufen dem Löwen liebevoll und besänftigend zu, anstatt auf ihn zuzurennen und mit einem Schlag auf den Kopf ihn unschädlich zu machen. Ja, der Löwe kann beißen – und er wird beißen – solange er lebt und nicht gebändigt wurde.

    Wir müssen das Problem bei den Wurzeln packen, die Ursache bekämpfen – den Löwen bändigen – und für unsere Rechte an unseren Leistungen einsetzen – auch außerhalb von Deutschland.

    Herzliche Grüsse
    Martin Brotzler

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