Die mediengeile Selbstüberschätzung der Möchtegern-Superstars

Neulich bin ich beim Zappen kurz bei "Deutschland sucht den Superstar" hängengeblieben. Nur ganz kurz, aber es hat gereicht. Gereicht, sich Gedanken darüber zu machen, wie mediengeil manche Menschen sind und wie sehr sie sich selbst (bzw. ihre Sangeskünste) überschätzen. Denn etwas anderes als Mediengeilheit kann es doch gar nicht sein, was die Mehrheit der Leute zu diesen merkwürdigen Castings treibt. Grob geschätzte neun Zehntel der Leute, die in den Casting-Shows gezeigt werden, treffen keinen (oder kaum einen) Ton und können keine Melodie halten. Und wenn man so etwas nicht kann, sollte man das doch eigentlich wissen - oder jemanden haben, der einem sagt "du kannst viel, aber DAS nicht".

Ich möchte an dieser Stelle aus Mangel an anderen Beispielen mich selbst nehmen: Im Musikunterricht hatte ich immer nur Einsen - nicht nur beim instrumentalen Musizieren und in der Theorie, sondern auch im Vorsingen. Wenn es am Ende hieß, die beiden besten Sänger sollen sich vor die Klasse stellen und das soeben eingeübte Lied vorsingen, dann stand ich unter Garantie vorne. Das heißt aber nur, dass ich öfter als andere den richtigen Ton treffe und meistens die Melodie halten kann. Das ist zwar mehr als die meisten DSDS-Kandidaten (zumindest die, die in diesen Casting-Zurschaustell-Sendungen gezeigt werden) können, aber noch lange nicht gut genug. Denn ich weiß auch ohne jemanden, der mir das sagt, dass ich NICHT singen kann. Vielleicht im Auto unter der Dusche und beim Putzen. Aber nicht bei einem Casting und erst Recht nicht vor einer Kamera oder einer Jury...

PS: Tolle Ãœberschrift, oder? ;-)

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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4 Kommentare

  1. Eine Mitschuld trägt sicherlich auch RTl, immerhin treffen sie ja eine Vorauswahl und entscheiden dann, wer zur Jury darf und wer nicht.

  2. ach mir wär das doch zu blöd mich von der Jury dumm anmachen zu lassen! Und natürlich lässt RTL zwecks Quote auch die ganz skurilen Typen zur Jury, denn das kann man gut im TV zeigen. Ich frage mich nur immer, haben die keine Freunde, bekannte, etc. die ihnen mal sagen, dass sie nicht singen können!? *kopf schüttel* Ich für meinen Teil weiß, dass ich nicht singen kann und belasse es aus diesem Grunde auch auf das Singen im Auto oder in meinen eigenen vier Wänden ;)

  3. Die eine Seite sind sicherlich die Leute, die eigentlich garnicht erst zum Casting gehen sollten. Keine Frage.
    Die andere, meines Erachtens weit schlimmere Seite, ist die, daß eine Fernsehredaktion die Situation ausnutzt, um Quote zu machen. Dabei sollte man die Konsequenzen für die Leute, auch mit dem ’nie vergessenden Web‘, soweit abschätzen, daß die Würde der Teilnehmer gewahrt bleibt. Unabhängig davon, ob unterschrieben wurde und schon mehrere Staffeln liefen. („Das wissen ja alle“)
    Man braucht sich doch nur mal das Umgehen miteinander auf dem Schulhof ansehen. Und da fragt sich, wer u.a. Vorbild für Erniedrigung etc. ist…

  4. Ja, die Redaktion scheint wirklich zu einem großen Teil an der Situation mit schuld zu sein. Trotzdem verstehe ich nicht, wie man sich das als Teilnehmer antun kann. Denn was kommt bestenfalls dabei heraus? Ein mittelprächtiges Album und drei Monate Ruhm?

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