Perspektivenwechsel

Welcher Autofahrer kennt das nicht: Es wird warm und schon sind sie auf den Straßen, die Fahrradfahrer. In wahren Horden sind sie unterwegs und machen die Straßen unsicher. Dabei stellen sie ein Hindernis für die Autos dar. Beinahe täglich hat man mit nebeneinander fahrenden Radlern zu tun, die nicht daran denken, einem Auto Platz zu machen.
Noch schlimmer sind aber die älteren Radfahrer: Die einen schaffen es zwar kaum, auf ihr Rad aufzusteigen, trauen es sich dann aber doch zu, aufzusteigen und anschließend über eine belebte Straße zu fahren. Das Ganze erfolgt meist in Schlangenlinien, die einem Besoffenen alle Ehre machen. Die andere Sorte Radfahrer kann problemlos aufsteigen, aber dafür kaum das Gleichgewicht halten. Seien wir ehrlich: wären sie etwa 70 bis 80 Jahre jünger, würde man ihnen Stützräder montieren und sie nur im Hof und unter Aufsicht fahren lassen. Aber leider sind die Herrschaften zu alt für Dreiräder und zu starrsinnig, um das Fahrrad stehen zu lassen. Besonders schlimm ist es, wenn man an einem dieser Exemplare mit dem Auto vorbeifahren will: Man muss Angst haben, dass man den Radler nicht mitnimmt, aber man kann ja auch nicht ewig mit 2 km/h hinter ihm hertuckern. Wenn man hupen würde, fiele der Radfahrer garantiert vor Schreck einfach um – mitten im Fahren.

Die Antipathie von Autofahrern gegen Radfahrer ist also mehr als verständlich. Trotzdem habe ich heute die Perspektive gewechselt und habe mich aufs Rad geschwungen (heute ist der 1. Mai, da macht man sowas!).
Der erste Härtetest: Die Hauptstraße. Viel zu nah an mir vorbeirauschende Autos – wie ich das hasse. Noch dazu ist der Asphalt total im Eimer – wer kann sich denn bitte auf den Verkehr konzentrieren und gleichzeitig noch schauen, dass er nicht in ein Schlagloch fährt und stürzt? Schlimmer kann es also eigentlich nicht mehr kommen - oder doch?

Der Radweg: Ein relativ breiter Weg, der gemütlich am Main entlangführt. Natürlich sehr belebt – es ist schließlich der 1. Mai. Aber trotzdem sollte man eigentlich vernünftig radfahren können. Sollte! Schon nach fünf Minuten nimmt der Schrecken seinen Lauf: Eine Gruppe von Radlern gruppiert sich um eine Bank, die Räder rücksichtslos auf den ganzen Radweg verteilt. Ihnen ist es egal, dass man absteigen und sein Fahrrad vorbeischieben muss. Ein leichter Ärger macht sich breit, aber das war ja bestimmt nur eine Ausnahme, oder?
Nein, weit gefehlt: Nur einige Meter weiter kommt mir eine Gruppe der Sorte „rücksichtslos und cool“ entgegen. Sie fahren zu zweit nebeneinander und denken nicht daran, Platz zu machen. Und wenig später: Zwei Frauen, die sich so angeregt unterhalten, dass sie dabei in Schlangenlinien fahren. Dann natürlich auch noch das typische Erlebnis mit dem älteren Radfahrer, der so langsam vor einem herfährt, dass man schon fast stehenbleibt - aber Überholen ist unmöglich, weil man "Gegenverkehr" hat.

Auf dem Radweg herrschen also keine anderen Sitten als auf der Straße, als Radfahrer kann man trotzdem von den anderen Radlern genervt sein. Irgendwie beruhigt mich das und ich kann ein ruhiges Gewissen haben, wenn ich das nächste Mal bequem in meinem Auto sitze und einen Radfahrer verfluche...

Tanja Banner

Tanja Banner (geb. Morschhäuser), Online-Journalistin und Bloggerin mit Interesse an Social Media, Astronomie und Raumfahrt. Bücherwurm. Fan des FC Bayern. Pendlerin. Online-Redakteurin bei der Frankfurter Rundschau.

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