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Schlagwort: Buchkritik (Seite 3 von 3)

"If you could see me now"

Ein Buch zum Lachen, zum Weinen, zum Schmunzeln, zum In-die-Decke-kuscheln-und-die-Welt-aussperren, zum Luftholen - eigentlich ein Buch für Herbst oder Winter: "If you could see me now" von Cecelia Ahern. Aber Achtung: Finger weg von der deutschen Ãœbersetzung - die ist mindestens genauso grausam wie der Titel ("Zwischen Himmel und Liebe" *würg*)!

Abschiebung, Entführung und rechtes Gedankengut

Das Sorgenkind
Lucy Arano ist gerade vierzehn Jahre alt und in ihrer Heimatstadt München bekannt wie ein bunter Hund: 71 Straftaten hat die Tochter eines Nigerianers schon auf dem Buckel, die letzten drei haben sie hinter Gitter gebracht, da sie bei ihrer Ausführung schon strafmündig war.

Ein Vater, der "versagt" hat?
Lucys Vater Christoph Arano ist mit sechs Jahren vor einem Krieg in Nigeria nach Deutschland geflüchtet und lebt seitdem ein ruhiges und unauffälliges Leben in München. Er ist perfekt integriert, hat eine kleine Firma und würde jederzeit die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen, die er aus irgend einem Grund bisher nicht erworben hat. Vor einigen Jahren ist seine Frau bei einem bisher nicht aufgeklärten Brand ums Leben gekommen, wodurch er den Kontakt zu seiner Tochter verloren hat.

Das Verbrechen und die Medien
Lucy wird von den Medien und vielen Polizeiangehörigen als sehr brutal und sinnlos gewalttätig beschrieben. Während sie schon im Jugendgefängnis sitzt, wird die (weiße) Verlobte ihres Vaters von rechten Eiferern entführt. Sie soll erst dann freigelassen werden, wenn die Aranos in ihre "Heimat" Nigeria abgeschoben wurden. Die Entführung sorgt für zusätzlichen Zündstoff im Fall Lucy Arano, da einige führende Politiker sich bereits intern für die Abschiebung ausgesprochen haben. Auch in der Bevölkerung wird eifrig diskutiert, wobei sich herausstellt, dass die meisten Bürger wenigstens ansatzweise die Forderungen der Entführer nachvollziehen können. Zwar finden sie es unerhört, dass eine Weiße dafür entführt wurde, aber wieso sollte man Lucy nicht abschieben, um ihre Stiefmutter in spe freizubekommen? Als sich auch noch die Medien - allen voran die ehrgeizige und übereifrige Nicole Sorek - in die Sache einmischen, wird es für Polizei und Politik beinahe unmöglich, das Verbrechen an Aranos Verlobter aufzuklären und die richtige Entscheidung in Sachen Lucy zu treffen.

Das Buch "German Angst"
Das Buch "German Angst" von Friedrich Ani ist so realistisch geschrieben, dass einem beim Lesen manchmal regelrecht die Luft wegbleibt. Viele der zitierten Personen äußern Ansätze rechten Gedankenguts so selbstverständlich, dass man am liebsten verzweifeln würde. Die Küngeleien der Politiker treiben einen schier in den Wahnsinn und die Ansichten und Handlungsweisen der Entführer sind so unmenschlich, dass mir die Worte dafür fehlen.

Die bange Frage
Das ganze Buch über schweben zwei bange Fragen im Raum: Wird Natalia Horn, die Verlobte Aranos, unbeschadet freikommen? Und wird Lucy abgeschoben? Die Spannung des Buchs besteht darin, dass diese beiden schwierigen Fragen miteinander verknüpft sind und sich nicht so einfach auflösen lassen...

Beängstigende Story…

Manche Bücher können mir wirklich Angst machen. Zwar bin ich durchaus in der Lage, Fiktion und Realität auseinanderzuhalten, aber manchmal frage ich mich dann doch, was für ein Mensch hinter richtig kranken Ideen steckt.

Ein aktuelles Buch, auf das das voll und ganz zutrifft ist "Velocity" von Dean Koontz. Ich habe es noch nicht ganz fertig gelesen, kann aber jetzt schon sagen, dass es verdammt spannend und nicht minder krank ist.

Die Story in Kürze:
Der Barkeeper Billy findet unter dem Scheibenwischer seines Autos einen Zettel, mit einer seltsamen und haarsträubenden Nachricht:

"If you don't take this note to the police, I will kill a lovely blonde schoolteacher [...] If you do take this note to the police, I will instead kill an elderly woman active in charity work. You have six hours to decide. The choice is yours."

Natürlich ignoriert er den Zettel als verrückten Streich und prompt taucht am nächsten Tag die Leiche einer blonden Lehrerin auf. Der Zettel, den Billy kurz darauf findet, enthält eine ähnliche "Entscheidungsmöglichkeit". Soll er zur Polizei gehen oder es sein lassen? Schließlich hat er niemanden umgebracht...

Mehr zur Story will ich eigentlich nicht verraten, um niemandem die Spannung zu nehmen. Es soll ja Leute außer mir geben, die solche Bücher lesen ;-) Ich muss aber zugeben, dass ich das Buch wahrscheinlich nicht gekauft hätte, wenn ich gewusst hätte, wie es weitergeht...

Doch was Gutes

Die lange Wartezeit auf meiner Heimfahrt hatte doch etwas Gutes: So konnte ich wenigstens meine aktuelle Lektüre "Zwei Mann im Mond" fertiglesen. Als ich das Haus heute früh verlassen habe, hatte ich gerade einmal die Hälfte geschafft...

Das Buch ist übrigens wirklich empfehlenswert: Geschichte, Politik und Raumfahrt werden aus einer ganz neuen Perspektive vermittelt. Das ist vor allem interessant, weil es sich ja um die angespannte Zeit des Kalten Kriegs handelt und den "Wettlauf zum Mond", der später in einem gemeinsamen "Apollo-Sojus-Projekt" gipfelte. Die beiden Autoren - David Scott und Alexej Leonow - erklären übrigens beide, dass sie die Astro- bzw. Kosmonauten auf der anderen Seite nicht für "Feinde" hielten, sondern nur neugierig auf deren Technik waren und sich mehr als "Kollegen" gesehen haben. Wirklich interessant. Wer sich für Raumfahrt und Geschichte interessiert, liegt mit diesem Buch genau richtig!

Der Klang der Zeit

"Der Klang der Zeit" von Richard Powers ist ein Buch, das die - auf den ersten Blick - unterschiedlichsten Themengebiete miteinander vereint: Es geht um das Leben als Schwarzer in den USA (von den 30er bis zu den 90er Jahren), um eine mutige Liebe zwischen schwarz und weiß, um das Leben als "Mischlingskind" in den USA und auf der Welt, um die Nazi-Herrschaft in Deutschland, um klassische Musik, Hip-Hop, die Relativitätstheorie und allgemeine (gewagte) Theorien über die Zeit. Selbstverständlich spielt die Geschichte immer eine große Rolle - seien es die Entwicklungen in Deutschland, oder die Bürgerrechtsbewegung in den USA.

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Bourne alias Webb alias Bourne

Ich habe endlich wieder ein bisschen Zeit gefunden, die "Bourne Supremacy" weiterzulesen. Zuerst hatte ich ja gedacht, es war ein großer Fehler, erst den Film zu sehen und danach die Bücher zu lesen. Aber jetzt bin ich doch froh, es in dieser Reihenfolge getan zu haben.
Hätte ich erst das Buch gelesen und danach den Film geschaut, dann wäre ich wahrscheinlich sehr enttäuscht gewesen. Film und Buch haben einfach überhaupt keine Ähnlichkeit miteinander. Die Grundstory ist zwar die selbe, aber das wars dann auch schon. "Mann verliert sein Gedächtnis und entdeckt irgendwann, dass er ein gesuchter Killer ist, erfährt aber später, dass er doch kein Killer ist" - daraus kann man viel machen. Und genau diese Meinung haben wahrscheinlich auch die Drehbuchautoren vertreten.

Für ein gutes Beispiel muss ich ein bisschen weiter zurückgreifen - wir begeben uns jetzt gedanklich in den ersten Bourne-Film, also in "Die Bourne Identität". Hier trifft Bourne (der immernoch nicht weiß, wer er ist oder wie er heißt) auf Marie. Marie ist Deutsche und irgendwie eine Art Hippie-Verschnitt. Sie führt ein ziemlich "unstetes" Leben und wohnt mal hier und mal da. Bourne zwingt sie, ihn nach Paris zu bringen. Sie tut es und im Laufe der Reise kommen die beiden sich näher.

- B R E A K -

Jetzt geht es in das Buch "Bourne Identity": Hier trifft Bourne (er weiß auch hier noch nicht, wer er ist) auch auf Marie. Der Unterschied: Marie ist Kanadierin und ein ziemlich hohes Tier im kanadischen Wirtschaftsministerium (oder so ähnlich). Marie hilft ihm (erst gezwungenermaßen, später freiwillig), an Geld zu kommen und die beiden retten sich gegenseitig vor dem sicheren Tod - kommen aber auch im Buch früher oder später zusammen. Insgesamt passiert im Buch jedoch viel mehr als im Film - dabei hätte man das Buch eigentlich perfekt verfilmen können!

Aber jetzt zum eigentlichen Unterschied, der mir nicht passt: Im Film "Die Bourne Verschwörung" stirbt Marie - das ist der Grund für Jason, weiterzumachen und die Killer zu finden. Im Buch stirbt Marie nicht, sondern wird entführt. So wird Jason Bourne (der übrigens mittlerweile David Webb heißt und seine Identität als "Jason Bourne" vergessen will) gezwungen, einen letzten Auftrag auszuführen, um Marie zu retten.

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